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Weihnachtsmärkte in München – Glühwein, Kunst und Krempel

Weihnachtsmarkt in München am Marienplatz © LianeM - Fotolia

Stade Zeit – von wegen!

Wenn die stade Zeit vorbei ist, dann wird‘s auch wieder ruhiger. In diesen Worten von Karl Valentin liegt viel Wahrheit. Sobald die erste Kerze brennt, beginnt ein rasanter Endspurt, durchsetzt von Steuer und Buchhaltung, Zwangs-Wichteln, Vorbereitungen und Planungen für die Feiertage und darüber hinaus. Ursachen der üblichen Weihnachtstraum-ata eben.

Genau deswegen sollte man mindestens einmal eine Verschnaufpause auf einem der Weihnachtsmärkte der Stadt einlegen. Im zum Schluss grauen Schmuddelwetter des Novembers wurde noch gehämmert und geschraubt, jetzt wird es wieder hell und umtriebig. Allerorten gibt es etwas zu sehen und zu unternehmen und die unzähligen Märkte bieten für jeden etwas. Sogar für die Weihnachtsmuffel und Konsumverweigerer.

 

Von der Nikolaidult zum Christkindlmarkt

Weihnachtsmärkte haben, im Unterschied zu vielen anderen vermeintlichen Traditionen, eine tatsächlich lange Geschichte. Sie gehen zurück auf die Verkaufsmessen und Märkte im Mittelalter, bei denen sich die Städter mit Fleisch und Vorräten für den Winter eindeckten. Man nannte sie Nikolaidulten, die erste im deutschsprachigen Raum, von der man weiß, fand 1310 in München statt.

Schon früh durften dort auch Handwerker, Spielzeugmacher und Zuckerbäcker ihre Stände errichten. Urkundlich erwähnt wird ein Nikolaimarkt im Jahr 1642 in der Kaufingerstraße beim Schönen Turm. Sein Angebot ähnelte dem heutigen schon erstaunlich: „… Nürnberger Lebkuchen, baumwollene Kinderkleider, Kripperlfiguren und Kaminfeger aus Zwetschgen und Mandeln“.

Über die Jahre wechselten die Nikolaidulten immer wieder ihren Standort und im Zuge der Aufklärung nannte man sie ab 1806 Christmarkt. 1972 fand die Mutter der Weihnachtsmärkte aber auf dem Marienplatz als Münchner Christkindlmarkt ihren endgültigen Standort – die Fußgängerzone machte es möglich.

 

Du darfst (auf Münchens Weihnachtsmärkten)!
Schlemmerei und warme Socken

Ernährungsphysiologisch betrachtet sind Christkindlmärkte ein rücksichtsloser Anschlag auf unseren BMI, die Stollen und Plätzchen im Büro nicht mitgerechnet. Das war früher anders. Bis 1917 hatte die Vorweihnachtszeit mit Essen rein gar nichts zu tun. Der katholische Katechismus schrieb in Einstimmung auf das drohende Weltgericht Fasten und Büßen vor. Auch in den 50ern und 60ern gingen die Leute eher auf die Weihnachtsmärkte, um sich etwas Warmes zum Anziehen zu kaufen. Nicht aus Gründen der Religiosität, den meisten fehlte damals für Würschtl und Glühwein einfach das Geld.

Heute hat sich das vollkommen umgedreht, das Christkindlmarkt-Treiben veränderte sich vom Notwendigen zum Unterhaltsamen. Geschnitztes und Geklöppeltes wird eher gesehen als gekauft (es sei denn, man ist mit den Weihnachtsgeschenken mal wieder zu spät dran). Es wird probiert, getrunken und geschlemmt. Die Bratwurst ist nicht nur in Nürnberg die beliebteste Spezialität, wir persönlich erinnern uns aber mit Wohlwollen an den Christkindlleberkäs mit Weihnachtsgewürzen. Kommt wieder auf die Experimentierliste und wir sind gespannt auf die diesjährigen Neuerungen.

Unter den flüssigen Freuden – dafür hätte es auch keine Umfrage gebraucht – ist der Spitzenreiter der Glühwein. Auf dessen Qualität achten die Ausrichter auch recht streng. Sollte der Dezember aber doch wieder warm werden ein Tipp: Am Weißenburger Platz in Haidhausen wird der Christmator verkauft, ein süffiger Bock mit zugehörigem Likör. Aber nur bei Fön trinken, denn dann haben Sie auch gleich eine Ausrede für’s Kopfweh.

 

Weihnachtsrausch Made in Germany

Natürlich. Christkindlmärkte, Weihnachtsmärkte, Glühweinmärkte oder wie immer man sie auch nennen mag, sind zum Event und Marketinginstrument geworden. Allein in München setzt der Budenzauber mit seinen drei Millionen Besuchern aus aller

Weihnachtsmarkt Führung München

Welt stolze 260 Millionen Euro um. Vor allem den Italienern haben es die Märkte angetan. Verständlich, wenn man die italienischen Pendants einmal gesehen hat und der Gardasee ist ja auch in deutscher Hand. Die hiesigen Weihnachtswunder wurden sogar zum globalen Exportschlager, einen German Christmas-Market mit Nikolaus, Bratwurst und Sushi findet man sogar im weihnachtsverliebten Tokio.

Bei dieser Erfolgsstory ist es kein Wunder, dass manche Märkte schon Mitte November aufsperren. München verkneift sich diese Unsitte und eröffnet die meisten Weihnachtsmärkte erst in der Woche vor dem ersten Adventssonntag. Am 27. November gingen zum Beispiel die Lichter am Marienplatz an. Dadurch umgeht der Bürgermeister unter anderem auch kirchlichen Protest. Für die gehört ein Christkindlmarkt, wenn überhaupt, in den Advent. Auf jeden Fall darf er erst nach dem Totensonntag beginnen, der dieses Jahr am 25. November war. Dann geht es aber richtig los.

 

Glühwein allüberall!

Böse Zungen behaupten ja, dass der Münchner Christkindlmarkt mittlerweile von Pasing bis Riem reicht. Zugegeben, das Original am Marienplatz hat sich in den letzten Jahren schon ziemlich ausgewachsen. Auf mittlerweile 20.000 Quadratmeter zwischen Marienhof und Rindermarkt, Altem Rathaus und Richard-Strauß-Brunnen. Schon viel, aber per se nicht verkehrt. Schauen Sie sich das mal auf der offiziellen Seite der Stadt an, es sind viele schöne Sachen darunter.

Weihnachtsmarkt Schwabing

Dazu kommen noch der Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Wittelsbacherplatz, der Clash der Klischees gleich mehrerer Welten beim Pink Christmas, der Viktualienmarkt, über den im Advent nicht nur feine Gerüche, sondern auch Winterzauber wogt, sowie zahlreiche Veranstaltungen und meist familiäre Weihnachtsmärkte der anderen Stadtteile.

Kunst, Kitsch, Romantik, Event oder Tradition – jeder davon hat seinen eigenen Charakter und besondere Reize, sie alle bringen Münchner und Nicht-Münchner, Christen und Nicht-Christen, Junge und Alte zusammen. Und darin liegt der eigentliche Wert der Weihnachtsmärkte.

 

Verschnaufpause mit Spurwechsel

Wenn Sie Lust haben, dann machen Sie mit uns einen Weihnachtlichen Altstadtrundgang, in dem wir Ihnen die nettesten Ecken zeigen und über bayrische und Münchner Weihnachtsbräuche erzählen. Wenn Ihnen aber dafür doch irgendwie die Zeit abgeht … Kommen Sie zumindest am Spurwechsel-Glühweinstand am Sendlinger Tor vorbei! Eignet sich hervorragend zum Vorglühen für die Christkindl– und Weihnachtstram oder für einen Feierabend-Glühwein!

Eine Verschnaufpause vom Weihnachtsstress hat schließlich jeder verdient! Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

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