Stellenangebot

Für unseren Catering- und Veranstaltungsbereich suchen wir ab sofort Mitarbeiter/innen.

  • Anmeldung auf 450,00 € Basis
  • ein Kfz Führerschein ist von Vorteil
  • Vorkenntnisse in der Gastronomie sind hilfreich, aber nicht unbedingt notwendig – Hauptsache Sie bestechen mit Freundlichkeit und verstehen sich als Dienstleister

Wir freuen uns auf Ihren Anruf unter 089 692 46 99 oder Ihre Kurzbewerbung per Mail an dechant@spurwechsel-muenchen.de

Weihnachtsmärkte in München – Glühwein, Kunst und Krempel

Stade Zeit – von wegen!

Wenn die stade Zeit vorbei ist, dann wird‘s auch wieder ruhiger. In diesen Worten von Karl Valentin liegt viel Wahrheit. Sobald die erste Kerze brennt, beginnt ein rasanter Endspurt, durchsetzt von Steuer und Buchhaltung, Zwangs-Wichteln, Vorbereitungen und Planungen für die Feiertage und darüber hinaus. Ursachen der üblichen Weihnachtstraum-ata eben.

Genau deswegen sollte man mindestens einmal eine Verschnaufpause auf einem der Weihnachtsmärkte der Stadt einlegen. Im zum Schluss grauen Schmuddelwetter des Novembers wurde noch gehämmert und geschraubt, jetzt wird es wieder hell und umtriebig. Allerorten gibt es etwas zu sehen und zu unternehmen und die unzähligen Märkte bieten für jeden etwas. Sogar für die Weihnachtsmuffel und Konsumverweigerer.

 

Von der Nikolaidult zum Christkindlmarkt

Weihnachtsmärkte haben, im Unterschied zu vielen anderen vermeintlichen Traditionen, eine tatsächlich lange Geschichte. Sie gehen zurück auf die Verkaufsmessen und Märkte im Mittelalter, bei denen sich die Städter mit Fleisch und Vorräten für den Winter eindeckten. Man nannte sie Nikolaidulten, die erste im deutschsprachigen Raum, von der man weiß, fand 1310 in München statt.

Schon früh durften dort auch Handwerker, Spielzeugmacher und Zuckerbäcker ihre Stände errichten. Urkundlich erwähnt wird ein Nikolaimarkt im Jahr 1642 in der Kaufingerstraße beim Schönen Turm. Sein Angebot ähnelte dem heutigen schon erstaunlich: „… Nürnberger Lebkuchen, baumwollene Kinderkleider, Kripperlfiguren und Kaminfeger aus Zwetschgen und Mandeln“.

Über die Jahre wechselten die Nikolaidulten immer wieder ihren Standort und im Zuge der Aufklärung nannte man sie ab 1806 Christmarkt. 1972 fand die Mutter der Weihnachtsmärkte aber auf dem Marienplatz als Münchner Christkindlmarkt ihren endgültigen Standort – die Fußgängerzone machte es möglich.

 

Du darfst (auf Münchens Weihnachtsmärkten)!
Schlemmerei und warme Socken

Ernährungsphysiologisch betrachtet sind Christkindlmärkte ein rücksichtsloser Anschlag auf unseren BMI, die Stollen und Plätzchen im Büro nicht mitgerechnet. Das war früher anders. Bis 1917 hatte die Vorweihnachtszeit mit Essen rein gar nichts zu tun. Der katholische Katechismus schrieb in Einstimmung auf das drohende Weltgericht Fasten und Büßen vor. Auch in den 50ern und 60ern gingen die Leute eher auf die Weihnachtsmärkte, um sich etwas Warmes zum Anziehen zu kaufen. Nicht aus Gründen der Religiosität, den meisten fehlte damals für Würschtl und Glühwein einfach das Geld.

Heute hat sich das vollkommen umgedreht, das Christkindlmarkt-Treiben veränderte sich vom Notwendigen zum Unterhaltsamen. Geschnitztes und Geklöppeltes wird eher gesehen als gekauft (es sei denn, man ist mit den Weihnachtsgeschenken mal wieder zu spät dran). Es wird probiert, getrunken und geschlemmt. Die Bratwurst ist nicht nur in Nürnberg die beliebteste Spezialität, wir persönlich erinnern uns aber mit Wohlwollen an den Christkindlleberkäs mit Weihnachtsgewürzen. Kommt wieder auf die Experimentierliste und wir sind gespannt auf die diesjährigen Neuerungen.

Unter den flüssigen Freuden – dafür hätte es auch keine Umfrage gebraucht – ist der Spitzenreiter der Glühwein. Auf dessen Qualität achten die Ausrichter auch recht streng. Sollte der Dezember aber doch wieder warm werden ein Tipp: Am Weißenburger Platz in Haidhausen wird der Christmator verkauft, ein süffiger Bock mit zugehörigem Likör. Aber nur bei Fön trinken, denn dann haben Sie auch gleich eine Ausrede für’s Kopfweh.

 

Weihnachtsrausch Made in Germany

Natürlich. Christkindlmärkte, Weihnachtsmärkte, Glühweinmärkte oder wie immer man sie auch nennen mag, sind zum Event und Marketinginstrument geworden. Allein in München setzt der Budenzauber mit seinen drei Millionen Besuchern aus aller

Weihnachtsmarkt Führung München

Welt stolze 260 Millionen Euro um. Vor allem den Italienern haben es die Märkte angetan. Verständlich, wenn man die italienischen Pendants einmal gesehen hat und der Gardasee ist ja auch in deutscher Hand. Die hiesigen Weihnachtswunder wurden sogar zum globalen Exportschlager, einen German Christmas-Market mit Nikolaus, Bratwurst und Sushi findet man sogar im weihnachtsverliebten Tokio.

Bei dieser Erfolgsstory ist es kein Wunder, dass manche Märkte schon Mitte November aufsperren. München verkneift sich diese Unsitte und eröffnet die meisten Weihnachtsmärkte erst in der Woche vor dem ersten Adventssonntag. Am 27. November gingen zum Beispiel die Lichter am Marienplatz an. Dadurch umgeht der Bürgermeister unter anderem auch kirchlichen Protest. Für die gehört ein Christkindlmarkt, wenn überhaupt, in den Advent. Auf jeden Fall darf er erst nach dem Totensonntag beginnen, der dieses Jahr am 25. November war. Dann geht es aber richtig los.

 

Glühwein allüberall!

Böse Zungen behaupten ja, dass der Münchner Christkindlmarkt mittlerweile von Pasing bis Riem reicht. Zugegeben, das Original am Marienplatz hat sich in den letzten Jahren schon ziemlich ausgewachsen. Auf mittlerweile 20.000 Quadratmeter zwischen Marienhof und Rindermarkt, Altem Rathaus und Richard-Strauß-Brunnen. Schon viel, aber per se nicht verkehrt. Schauen Sie sich das mal auf der offiziellen Seite der Stadt an, es sind viele schöne Sachen darunter.

Weihnachtsmarkt Schwabing

Dazu kommen noch der Mittelalter-Weihnachtsmarkt am Wittelsbacherplatz, der Clash der Klischees gleich mehrerer Welten beim Pink Christmas, der Viktualienmarkt, über den im Advent nicht nur feine Gerüche, sondern auch Winterzauber wogt, sowie zahlreiche Veranstaltungen und meist familiäre Weihnachtsmärkte der anderen Stadtteile.

Kunst, Kitsch, Romantik, Event oder Tradition – jeder davon hat seinen eigenen Charakter und besondere Reize, sie alle bringen Münchner und Nicht-Münchner, Christen und Nicht-Christen, Junge und Alte zusammen. Und darin liegt der eigentliche Wert der Weihnachtsmärkte.

 

Verschnaufpause mit Spurwechsel

Wenn Sie Lust haben, dann machen Sie mit uns einen Weihnachtlichen Altstadtrundgang, in dem wir Ihnen die nettesten Ecken zeigen und über bayrische und Münchner Weihnachtsbräuche erzählen. Wenn Ihnen aber dafür doch irgendwie die Zeit abgeht … Kommen Sie zumindest am Spurwechsel-Glühweinstand am Sendlinger Tor vorbei! Eignet sich hervorragend zum Vorglühen für die Christkindl– und Weihnachtstram oder für einen Feierabend-Glühwein!

Eine Verschnaufpause vom Weihnachtsstress hat schließlich jeder verdient! Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

Mehr Information

Die Tracht in München – Bayrisch zum Anziehen

Phänomen Wiesntracht

Es sind die Wochen des Oktoberfests, wenn die Trachtendichte in München besonders dramatisch ansteigt, sie zu tragen ist ein ungeschriebenes Gesetz unter den Wiesn-Besuchern. Der Trend begann in den 00er-Jahren, heute wird man ohne Dirndl und Hirschlederne zwar ins Zelt gelassen, dennoch fühlt man sich in Zivil bissl einsam.

Darunter ist jedoch kaum eine echte bayrische Tracht, eher das, was sich die Leute darunter vorstellen. Viele wankende Neuseeländer in gänzlich entbajuwarisierten 60-Euro-Komplettpaketen vom Discounter, das (dieses Jahr) teuerste Dirndl in der Promibox kostete sagenhafte 42.600 Euro – waren ja immerhin auch echte Perlen und Diamanten dran. Besondere Erheiterung verursachten bei den Moderedakteurinnen der Süddeutschen die Outfits von Patricia Blanco und Natacha Tannous (Stand Oktober 2018: Ballacks Freundin).

 

Die originale Münchner Tracht

Will man sich eine richtige Tracht anschauen, geht man lieber zum Trachten- und Schützenumzug. Dann kann man die Vielfalt der Stoffe, Muster und Verzierungen Münchner und oberbayrischer Trachten bewundern. Die beiden Trachtenvereine Lechler und Die schöne Münchnerin zeigen Gewänder, wie sie die Landbevölkerung zu Festtagen im Biedermeier trug, also zwischen 1820 und 1840. Diese gelten als echte Münchner Tracht und die letzten authentischen Exemplare ihrer Art, denn ab da zog die Tracht in die Welt der Mode ein. Oder andersherum.

In jedem Fall begann damals ein erster Trachten-Hype. Die höfische Gesellschaft spielte mit ihren Elementen und Städterinnen ließen sich für die Sommerfrische Kleider schneidern, die von Magdgewändern inspiriert waren. Tracht wurde zu einem Symbol für das einfachen Landleben in Bayern, eben dort, wo die Welt noch in Ordnung ist. Romantisiertes Rüstzeug gegen die Moderne.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts begannen die Klagen, dass es sich bei all dem nur noch um Folklore dreht – stimmte ja auch und deswegen sollte man über die heutigen Partytrachten nicht gar zu sehr die Nase rümpfen. Patricia Blanco steht in fast 200-jähriger Tradition.

 

Laptop und Lederhosen

Im 19. Jahrhundert wurde ein großer Teil des heutigen Bayernbildes geprägt, wie man es heute liebt und inszeniert. Tracht, oder was auch immer man darunter versteht, war immer ein Bestandteil davon. Heimatgefühl und -stolz schwingt bei ihr mit – das ist die Macht der Tracht, welche die Oberen auch zu nutzen wusste.

Ministerpräsident Josef Strauß machte das Trachtengwand zur Arbeitskluft bayrischer Politiker und bis heute fehlt es bei keiner Wahlveranstaltung. Auf bundesdeutscher Ebene verursachte die Tracht letztens aber ein kleines Twitter-Scharmützel. Als Digitalstaatsministerin Dorothee Bär im Bundestag einmal ein Dirndl trug, kam prompt die Reaktion auf Twitter: Die Bayern finden’s passend, der Rest der Welt rückständig.

Diesen Dünkel hat die Tracht eigentlich längst hinter sich gelassen. Bei den Olympischen Spielen 1972 blickte die Welt auf dirndltragende Hostessen und schuhplattlnde Trachtler, allerdings vor der avantgardistischen Kulisse des Olympiageländes; rentiert hat sich das nicht nur für Silvia Sommerlath, heute bekannt als Königin Silvia von Schweden. Man präsentierte Bayern erstmals in seiner geschickten Mischung von Tradition, Moderne und Weltoffenheit – eben mit „Laptop und Lederhosen“.

 

Ich sehe Bombe aus im Dirndl

Das führt uns zurück zur Jugend und den vogelwilden Kreationen der Münchner A- bis C -Promis. Sicherlich, in den Trachtenvereinen engagieren die sich kaum bis gar nicht – Traditionspflege in dieser Form ist eher nicht das ihre. Für sie ist Tracht meist das Outfit für’s Volks- und Oktoberfest.

Das Dirndl verschleiert schönerweise unliebsame Konturen und Problemzonen und optimiert jedes Dekolleté; bei kurzen Lederhosen und Wadlstrümpfen verhält es sich vorne wie hinten nicht anders.

Aber abgesehen davon. Wir leben in einer Zeit, in der ferne Länder näher sind denn je und mobile Arbeitskonzepte zum Alltag gehören. Gerade in München wurde die Tracht in den letzten Jahren wiederentdeckt, als Zeichen dafür, dass man seine Heimat (ob hineingeboren oder gewählt) liebt und auch ein Stück weit stolz darauf ist. Und wir finden das großartig.

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

Mehr Information

Die Weißwurst – Münchner Mythos im Naturdarm

Wer hat‘s erfunden?
Die Münchner, möchte man meinen …

Am Faschingssonntag 1857 gingen dem Moser Sepp, Wirt des Gasthofs „Zum ewigen Licht“ am Marienplatz, die Schafsseitlinge für seine Kalbsbratwürste aus. Um die Kundschaft nicht hungrig nach Hause schicken zu müssen, füllte er das Brät in die dickeren und zäheren des Schweines und damit die Würste beim Braten nicht platzten, brühte er sie nur in heißem Wasser. Es war der 22. Februar, die Gäste waren von diesen Missratenen begeistert und die Weißwurst war geboren worden.

Ganz so einfach ist es nun aber doch wieder nicht. Laut Stadtarchivar Richard Bauer könnte die Weißwurst nämlich eine Fortentwicklung der wesentlich älteren Maibock-Wurst sein und es sie schon seit mindestens 1814 geben. Und die Hamburger verweisen darauf, dass eigentlich sie die bayrischste aller Würste erfunden haben. Die Idee hatten sie aus Frankreich, wo es schon im 14. Jahrhundert die Boudin Blanc gab, eine Kalbsfleisch-Wurst, die auch gebrüht wurde. Vive la Weißwurst!

 

Auf den Spuren der Weißwurst in München

Wo und wann die erste Weißwurst das Licht der Welt erblickte, ist eigentlich … wurscht. Klein, rundlich und weiß, im Grunde ja recht unansehnlich, wurde sie zu einem kulinarischen Klassiker, der eng mit Bayern und insbesondere München verbunden ist.

Im Rathaus befindet sich ein Weißwurstzimmer und der Münchner Turmschreiber Herbert Schneider hat ihr eine eigene Hymne geschrieben. Jährlich wird die Weißwurst-Königin gekürt, Bewerbungen trudeln sogar aus China und arabischen Ländern ein. Die „Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst“ setzt sich für Qualität und Image ein und die Metzgerinnung Arberland hat den 22. Februar zum Tag der Weißwurst bestimmt. Zum 100-jährigen gab es sogar einen Kongress, seine versuchte Wiederbelebung zum 160. Jubiläum verursachte jedoch einen höchst unterhaltsamen Zwist zwischen den Niederbayern und Münchnern und wurde abgesagt.

 

Am Weißwurst-Äquator

Die Weißwurst hat sogar Eingang in die Geographie gefunden; im Weißwurst-Äquator, der Bayern von Restdeutschland trennt. Wo er sich genau befindet, ist Auslegungssache. Die Hardliner sagen, bei 100 Kilometern außerhalb von München sei Schluss, meist wird die Donau als Grenze gesehen. Sehr liberale Zeitgenossen markieren den Main.

Nachdem die Beweislage für die Urheberschaft der Weißwurst noch unklar ist, hat Sepp Moser bisher kein Denkmal in München bekommen, gefordert wird z.B. eines am Münchner Viktualienmarkt. Die Freisinger sind da weiter. Dort steht der Moser seit Jahren vor der Gaststätte „Zur Aktienschenke“. Gut, dass Freising innerhalb des eng gezogenen Weißwurst-Äquators liegt … Die Zwiesler (oberhalb der Donau gelegen) haben die Sache geschickt gelöst. Sie verlegten den Äquator auf den 49. Breitengrad und definieren ihr Denkmal als das „Weißwurstäquator-Denkmal“.

 

Was ist drin, in der Wurst?

Die beste Weißwurst der Stadt gibt‘s beim Wallner im Wirtshaus in der Großmarkthalle, dem Weißwurstpapst im Schlachthofviertel. Vor einigen Jahrzehnten war es noch gang und gäbe, dass Wirte ihre Weißwürste selbst herstellten, inzwischen gehören Kesselfrische in München leider zu einer aussterbenden Art.

Beim Wallner kommt ausschließlich Kalbfleisch in die Weißwürste. Kalbfleisch ist das Kennzeichen einer „Original Münchner Weißwurst“. Eine solche muss mindestens 51 % davon enthalten, der Rest darf mit dem günstigeren Schwein ersetzt werden. Liegt der Anteil darunter, ist es eine schnöde Weißwurst. Dazu kommen frische Petersilie, Zwiebeln, Salz, Zitronenabrieb, Muskat, auch Ingwer und Kardamom; die Gewürzmischungen der Metzger gelten meist als Verschlusssache.

Einmal im Jahr geht die Münchner Metzgerinnung mit den Weißwürsten der Stadt streng ins Gericht. Konsistenz, Farbe, Geruch, Geschmack … sogar chemische und mikrobiologische Untersuchungen werden vorgenommen. Der Sieger wird für seine Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Lassen Sie uns von etwas anderem Sprechen als Nährwerten, nur so viel sei gesagt: Sie ist eine recht gute Grundlage für den Frühschoppen. Stattdessen eine etwas unangenehme Randnotiz der Geschichte: Das Rezept für die Original Münchner Weißwurst wurde erstmals vom Züricher Metzgerverband dokumentiert.

 

Das Zuzeln und die Kirchenglocken

Wir haben eine kleine Umfrage gestartet. Die Zuzler werden weniger. Nur noch die Traditionalisten älterer Semester bestehen darauf, das Brät mit den Lippen herauszusaugen. Das Zuzeln hatte sich ohnehin deswegen eingebürgert, weil oft keine Gabeln und Messer zur Hand waren. Mit den diversen Schneidetechniken (Längsschnitt, Kreuzschnitt, halbieren und schälen) blamiert man sich entgegen aller Klischees längst nicht mehr. Befremden erntet man nur, wenn man sie in ein Brezenstangerl klemmt.

Der Volksmund sagt, die Weißwurst darf das 12-Uhr-Läuten nicht hören. Obwohl das Weißwurstfrühstück immer noch der Klassiker ist, ist man auch da mittlerweile flexibler. Die Regel stammte aus einer Zeit, in der das Brät nicht länger frisch gehalten werden konnte. Und vielleicht beruht sie auch darauf, dass die Münchner Wirte die Handwerker aus ihren Gaststuben haben wollten, wenn mittags die zahlungskräftigere Kundschaft kam.

Was aber bis heute gilt: Weißwürste – und NUR DIESE – bestellt man beim Metzger und im Lokal stückweise.

 

Wurst-Case-Szenarien

Immer wieder hört man von Farbexperimenten. Ein Altöttinger hat sich das Patent für seine Grünwurst mit Matcha gesichert. Für eine SPD-Veranstaltung färbte man Weißwürste mal rot ein, als sie jedoch im warmen Wasser siedeten, wurden sie schwarz. Wir vermuten dahinter ja das Werk eines subversiven Metzgers …

Im Netz findet man viele weitere Kulinarisierungen. Schubecks Brezen-Weißwurst-Knödel stellen wir uns ja noch ziemlich fein vor. Im Café Katzentempel in der Türkenstraße gibt es eine vegane Weißwurst, die zwar gut, bloß eben nicht nach Weißwurst schmeckt. Aber Weißwurst-Lasagne mit Gorgonzola und Mangold …? Wohin soll das führen? Leberknödel-Lassi und Obazda-Burger?

Brezen, süßer Senf und ein Weißbier. Das gehört zu einem echten Münchner Weißwurstfrühstück. In diesem Sinne: An Guad’n! Wenn Sie weitere Geschichten von Münchner Spezialitäten und Gastronomen erfahren möchten, dann kommen Sie mit auf eine unserer kulinarischen Touren durch München, z.B. die ProbierTour über den Viktualienmarkt oder nochmal etwas herzhafter: die WirtshausTour.

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

Mehr Information

California Feeling – die City-Surfer an der Eisbachwelle

Wo das Wasser aufwärts fließt

Gleich neben dem Haus der Kunst findet man fast immer ein Geschiebe und Gedränge, hochgereckte Köpfe und Smartphones. Denn dort liegt die Eisbachwelle, ein vom Menschen gemachtes Naturschauspiel. Seit Jahrzehnten versammeln sich hier Sommer wie Winter, Tag und Nacht Jungs und immer mehr Mädels, um im Getöse ihr Können unter Beweis zu stellen – oder auch nicht.

Denn die Eisbachwelle hat es nicht nur in jeden anständigen München-Führer geschafft, sondern auch in den Stormriders Guide, die Bibel der Surfer. Ein Ritt auf der sogenannten E1 gilt als anspruchsvoll, kaum einer hält sich länger als einige Sekunden auf dem Brett, dann stürzt er in die Fluten und der nächste darf sein Glück versuchen. Um in den Minutenbereich zu gelangen, Kickflips oder gar einen 360er hinzukriegen, muss man lang geübt haben.

 

Wo eine Welle ist, ist auch ein Weg …

München ist von einem System unterirdischer Bäche durchzogen, die von der Isar gespeist werden. 1789 entwarf der kurfürstliche Gartenbaumeister von Sckell für den Englischen Garten ein Bachsystem (Führung: München – Venedig des Nordens), dazu gehören der Oberstjägerbach, der Schwabinger Bach und eben auch der Eisbach. Dort, wo letzterer ans Tageslicht tritt, bildete sich durch eine Steinstufe eine donnernde Welle, ihr ging jedoch der passende Strömungsgrad fürs Surfen ab.

Das änderte sich in den 80ern. Walter Strasser ist ein Münchner Unikat mit verwegenen Lebenslinien und gilt als der Hausmeister der Welle. Er hat damals eine klobige Metallschiene am Flussufer installiert, mit der er die Strömung regulierte und die Welle surfbar machte. In einer Aktion am helllichten Tag, bei der niemand daran dachte, dass sie keineswegs von der Stadt genehmigt worden war.

Hausmeister Strasser mag den inzwischen recht großen Trubel an seiner Welle überhaupt nicht, heute baut er lieber Didgeridoos auf Sardinien. Aber er hat ein bisschen Münchner Stadtgeschichte geschrieben.

 

Vom Brettlreiten zum City-Surfing

München gilt als Geburtsort des Flusssurfens und die Eisbachwelle hat es zu Ruhm gebracht. Die eigentliche Ur-Welle befindet sich aber im Thalkirchner Floßkanal. Dort stiegen Anfang der 70er die allerersten Stadt-Surfer Münchens auf ihre Bretter, man nannte sie damals die Brettlreiter. Durch ein am Ufer befestigtes Seil hielten sie sich auf einfachen Holzbrettern auf der Strömung, als der erste es freihändig schaffte, war das River-Surfing geboren.

Nicht viel später fand man Surfer in der Stadt auch andernorts, z.B. an der Wittelsbacherbrücke, wenn sich bei Hochwasser die Isar auftürmte. Es war das Guerilla-Surfing einer unangepassten Jugend – oft verfolgt von der Polizei. 2010 wurde dieser Ort im Rahmen der Renaturierung der Isar stillgelegt, der Münchner Fotograf Rainer Spitzenberger hat die Surfer von einst aber in der großartigen Fotoserie Epic Days verewigt.

Einen anderen berauschenden Einblick in das Lebensgefühl der Helden vom Eisbach gewinnt man in der Reportage Keep Surfing. Bjoern Richie Lob erzählt in spektakulären Bildern und rasantem Schnitt von den Pionieren der Eisbachwelle, von den Abenteurern, Außenseitern und Freigeistern. Einige davon haben den Sprung in die Welt geschafft und gehören heute zur internationalen Surferszene. Halten Sie aber dennoch die Augen offen, wenn die Isar Hochwasser führt.

 

Die grantigsten Surfer der Welt

Es heißt, dass die Eisbachsufer zu den grantigsten der Welt gehören (wir können das nicht bestätigen), schon Hausmeister Strasser hatte ein strenges Regiment geführt. Man munkelt, es kam auch zu Tätlichkeiten, wenn sich einer nicht an die Regeln halten wollte.

Das musste vor einigen Jahren der Münchner Schickeria-Rapper Felix Krull am eigenen Leib erfahren, der die Welle für einen Werbe-Auftritt missbrauchen wollte. Eine Münchner Episode, in der zwei Stadtwelten aufeinander prallen und wie sie schöner nicht sein könnte. Sie kennen den Begriff des Fremdschämens?

Noch bis 2010 surfte man am Eisbach unter Verbotsschildern – die Welle war längst zur Attraktion geworden und das Tourismusbüro warb damit. Es ging um Haftungsprobleme, denn die Eisbachwelle war im Besitz der Bayerischen Schlösser und Seenverwaltung. Durch einen Grundstückstausch mit der Stadt München konnte das Problem gelöst und das Surfen genehmigt werden.

Die Surfer verpflichteten sich allerdings zu einer Art Selbstkontrolle, bei der kein Anfänger auf der Eisbachwelle reiten sollte. So leicht es aussehen mag, die Strudel, Strömungen und Steine sind durchaus gefährlich. Daher wird so manch einer zur Floßlände in Thalkirchen geschickt, um nochmal zu üben. Oder ein paar Hundert Meter weiter zur kleinen Eisbachwelle am Dianabad, E2 genannt. Bis vor kurzem ein Spot, über den man Stillschweigen bewahrte, denn das Surfen ist dort eigentlich nicht erlaubt. Also Obacht: Es kann sein, dass man vom Ordnungsamt aus dem Wasser gefischt wird.

 

Am Eisbach wird‘s eng …

Im Tourismusgeschäft wimmelt es an Superlativen, dementsprechend zurückhaltend sollte man damit umgehen. Sei‘s drum: Die Eisbachwelle ist die am meisten besurfte Welle der Welt. Schätzungsweise gibt es in München inzwischen 2.000 Flusssurfer, vor etwa 10 Jahren waren es weniger als halb so viele.

Daher hat die Stadt bereits die Thalkirchner Ur-Welle für das Surfen freigegeben, sie ist jedoch noch nicht das ganze Jahr befahrbar. Es wird gerade überlegt weitere stehende Wellen im Stadtgebiet für die Surfer zu optimieren – auch eine Art der innerstädtischen Entlastung. Am wahrscheinlichsten ist die Wittelsbacher Schwelle, die muss nach 100 Jahren ohnehin saniert werden. Auch die E2 wäre möglich – allerdings beschweren sich die Anwohner jetzt schon und da gibt es wieder das leidige Haftungsproblem des Freistaates.

Erfolgsgeschichten finden immer ihre Nachahmer. So wollen z.B. auch die Wolfratshausener durch eine eigene stehende Welle mitziehen, es wird von einer „einzigartigen Chance mit gigantischem Imagegewinn“ gesprochen … Nun ja, das Original werden‘s sowieso nicht.

Das ist die Eisbachwelle in München. Sie gehört zur Stadt wie das Hofbräuhaus und der Viktualienmarkt und das Zuschauen macht einen Riesenspaß. Wenn Sie in der Gegend sind: Gönnen Sie sich unbedingt einen Abstecher!

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

Mehr Information

Zum Jubiläum ging es abwärts – bei einer Floßfahrt auf der Isar

Über ein jahrhundertealtes Geschäft und eine Riesengaudi

Als wir um halb zehn unsere drei Flößer an der Floßlände in Wolfratshausen treffen, liegen bereits einige Stunden Arbeit hinter ihnen. Sie haben das Gefährt seit den frühen Morgenstunden zusammengebaut und für die Fahrt ausgerüstet; sie erwarten uns mit Bier, Brotzeit und eine Band.

Nur drei Wolfratshausener Familienunternehmen bauen ihre Flöße noch nach jahrhundertealter Tradition. Mächtige, mit der Hand geschäpste Fichtenstämme werden aneinandergereiht und an Querbalken befestigt, zum Navigieren gibt’s vorne zwei, hinten ein Ruder. Eine moderne Ergänzung ist der kleine Außenborder, der bei Bedarf von hinten etwas anschiebt. Unser Floß misst 18 mal 7 Meter, wiegt um die 20 Tonnen und mit unseren Gästen sind die Bänke gut gefüllt.

Ein solches Floß legt die fast 30 Kilometer von Wolfratshausen nach München in der Saison vom 1. Mai bis zur Eisfahrt im September etwa 100-mal zurück, bei Wind und Wetter, Absagen gibt es nicht, außer, es herrscht Hochwasser. Heute sind wir an der Reihe.

 

Unverbaute Natur und freier Blick auf Naturisten
in der Pupplinger Au

Nach den wichtigsten Sicherheitshinweisen legen wir von der Floßlände in Wolfratshausen ab, mit geschickten Handgriffen, viel Kraft und ordentlichem Rudertalent. Die Band nimmt die Arbeit auf, erzählt die ersten Witze (schon dafür lohnt sich die Fahrt) und auch eine der drängenden Fragen ist nun beantwortet: das kleine Häuschen in weiß-blau ganz hinten ist ein stilles Örtchen.

Um Wolfratshausen liegt eines der letzten Landschaftsschutz-Gebiete Bayerns, die Pupplinger Au. Dieser Isarabschnitt ist wohl der ursprünglichste im Münchner Einzugsgebiet; der Fluss teilt sich in viele Arme, ein dichtbewachsener Auwald mit Grün in allen Schattierungen flankiert ihn.

Trotz des schönen Wetters entdecken wir auf den Kiesinseln nur zwei der Nackerten, die sich in der Pupplinger Au seit den 1970ern ein gewisses Gewohnheitsrecht erarbeiten konnten und gegen welche die Stadt Wolfratshausen und das Landradsamt nur bedingte Erfolge erzielen konnten – von unseren Flößern werden die beiden übrigens mit Namen gegrüßt.

 

„Im Sommer koa’n Mo – im Winter koa Geld …“
Das Flößerhandwerk im bayrischen Oberland

Das Wissen und Können der Flößer wurde in Wolfratshausen über die Generationen bewahrt, die heutigen Isarfloßfahrten führen eine Tradition unserer Gegend fort, die 2014 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erhoben wurde.

Flüsse waren schon im Mittelalter wichtige Transportwege, Isar und Loisach jedoch vielerorts noch reißend und für Schiffe nicht befahrbar. Stabile Flöße waren die Alternative, um Bier und Baumaterialien, aber auch die Schätze des Südens und Orients zu den neuen städtischen Eliten zu bringen. Darunter Samt und Seide, Gewürze, Öle und Wein, Bundmetall, Gold- und Silberwaren aus dem Handel mit den italienischen Metropolen, insbesondere Venedig. Und diese Variante war auch doppelt lukrativ, denn die Stämme konnte man am Zielort gleich als Baumaterial verkaufen.

Um Zahlen zu nennen: Allein für den Bau der Münchner Frauenkirche ab 1473 schafften 147 schwer belade Flöße 7.000 Baumstämme aus den Bergen heran; um die 3.500 Flöße jährlich landeten in Wolfratshauen an – man kann sich nur schwer vorstellen, was damals auf der Isar losgewesen ist.

 

Ledige Weibspersonen am Steuer!
Die Zunftordnung der oberbayrischen Flößer

Am Isarspitz, wo die Loisach in die Isar mündet, biegt unser Floß auf den Isarkanal und die Geschwindigkeit nimmt spürbar ab. Es ist Zeit, die Badesachen anzuziehen und das Floß schwimmend zu begleiten, „Auf- und abspringen während der Floßfahrt“ wurde uns explizit erlaubt. Hier dürfen auch die ersten „Weibspersonen“ einmal probeweise ans Ruder – in früheren Zeiten im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern aufs Strengste verboten.

Es kommt vor, dass ledige Weibspersonen bei den Floßfahrten zur Lenkung der Flöße verwendet werden. Da aber weibliche Individuen im allgemeinen als des Floßfahrens kundig und hinlänglich rüstig hiezu nicht genommen werden können (…), so sieht sich die unterfertigte Stelle veranlaßt, auf die Unzulässigkeit der Verwendung lediger Weibspersonen zur Lenkung der Flöße hiermit aufmerksam zu machen. München, den 13. Dezember 1841

Während heutzutage unsere Teilnehmerinnen die Ruder spontan ergreifen, durfte früher erst dann, wenn einer „abgeleibt“ war, ein anderer an seine Stelle nachrücken. Als Zunftsmitglieder unterlagen die Flößer auch besonderen Verhaltensregeln: 35 Pfennige waren für Reden bei der Arbeit fällig und dazu kamen noch „5 Pfennige für einmal Fluchen“. Wobei letzteres doch eine Kunst ist, in der die Bayern bis heute führend sind.

Nochmal strenger war die Wolfratshausener Zunftordnung bei Alkohol am Steuer: „Flößer, die sich unterwegs in den Herbergen betrinken und schlechtes Verhalten an den Tag legen, werden mit Wasserbaden bestraft.“ In schlimmen Fällen wurden Fahrverbote verhängt. Als Joseph Friedrich Lentner 1848 die Isarflößer für den Kronprinzen Maximilian studierte, musste er dennoch vom „Überhandnehmen sittlicher Gebrechen, Trunksucht und Rauflust“ berichten …

 

Logistische Wunder in der Wirtschaft
… und dann wurd’s ernst

Mittags kehren wir auf halber Strecke bei Straßlach in einer der letzten altbayerischen Wirtschaften im Mühltal ein. Sie liegt an einem herrlich gottverlassenen Eck an der Isar – beliebt bei Wanderern und Radlern und bekannt für logistische Wunder unter Kastanienbäumen. Zackig werden von den Bedienungen die Getränke gebracht, hinterher kommt einer der ehrlichsten Schweinebraten unserer Karriere, für die Vegetarier gibt’s Rahmschwammerl mit Knödel. Unser Veganer musste da halt auch durch.

Vom Biergarten können wir bereits einen Blick auf die wohl heikelste Stelle für unser tonnenschweres Gefährt werfen: die längste Floßrutsche Europas am Wasserkraftwerk Mühltal. Seit den 1920ern rauscht man in einer Schussfahrt mit bis zu 40 Sachen durch die enge Floßgasse hinunter, über eine Länge von 345 Metern überwindet man fast 18 Meter. 35 Sekunden Achterbahn-Feeling.

Zwar hat die ansonsten recht flotte Unterhaltungsmusik unserer Eventfahrt zu „Time to say Goodbye“ gewechselt, alle Beteiligten haben diese und die folgenden, etwas kleineren Floßrutschen aber unversehrt überstanden – durchgerüttelt, johlend, scheppernd, am Schluss mit einer großen Welle übers Floß und einer Riesenstimmung!

Für einen anderen Betriebsausflug ging sie aber weniger glimpflich aus. Die Münchner Illustrierte Nr. 30 vom 27. Juli 1957 berichtete über „einige Verletzte und zahlreiche Entnervte“.

 

Die Furchtlosen, Geschickten und Gutverdienenden
Gefahren an und auf der Isar

Auf den heute meist ruhigen Gewässern zwischen Wolfratshausen und München mag man bei Bier und Brotzeit vergessen, dass die Isar ein tückischer Gegner sein konnte. Die Steuermänner mussten blitzschnell auf Stromschnellen und Wirbel reagieren, jäh Felsbrocken und Baumleichen ausweichen. Viele Votivtafeln und Marterl entlang der Isar zeugen davon.

Im Topo-geographisch-statistischen Lexicon des Königreichs Bayern von 1831 ist Folgendes zu lesen: „… bei dem Michaelsstein, Georgstein und Grünwald sind für die Floßfahrt gefährliche Stellen; oft stürzt hier der Fluß mit Gewalt auf die Felsen an, so dass die Flöße scheitern.“

Eine dieser fahrtechnischen Herausforderungen passieren wir, den Georgenstein bei Baierbrunn, landschaftlich einer der schönsten Abschnitte, in dem die Isar noch weitgehend frei fließen darf. Oft hat man überlegt ihn zu sprengen, man erhielt ihn aber als Naturdenkmal. Heute sieht man noch den rund 25 Meter langen und mehr als acht Meter breiten Leitdamm aus Felsbrocken, mit dem man die Isar für die Flöße links der „Mini-Loreley“ vorbeigelenkt hat. Kräftige Arme und Rudertalent sind aber bis heute angebracht.

Immerhin: Als Gefahrenausgleich konnten die Flößer gut verdienen und waren keineswegs arme Leute. Jedenfalls dann, wenn sie nach der Landung in München schleunigst den Lohn einsteckten und ohne einen Umweg zu einer der Spelunken in der Au ins Oberland zurückwanderten.

 

Als der Floßfahrt auf der Isar das Wasser abgegraben wurde …
Über das Ende der Flößerei

Wasserstand und Strömung bestimmten schon immer das Reisetempo auf dem Floß. Wir haben Glück, der gemächliche Lauf des Niedrigwassers hat unsere Fahrtzeit verlängert – auch der Außenborder konnte da nur wenig ausrichten.

Nach 16.00 Uhr biegen wir am Isarflößer, einer Bronzeskulptur des Bildhauers Fritz Koelle, in den Ländkanal ab und sind fast am Ziel angelangt, der Zentrallände in Thalkirchen nahe des Tierparks. Es gibt sie erst seit 1899, vorher legten die Flöße an der Unteren Lände nahe der Ludwigsbrücke im Lehel an, wenn diese überfüllt war und nach ihrer Schließung 1870 wichen Sie auf die Obere Lände aus, sie war gegenüber des heutigen Deutschen Museums.

Die Verlegung zeugt vom Niedergang der Floßfahrten auf der Isar. Landeten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich bis zu 8.000 Flöße in München an (die späte Blütezeit des Gewerbes durch den Ausbau der Residenzstadt unter König Ludwig I.), verkümmerte die alte Kunst durch die Errungenschaften der Moderne. Die Dampfschifffahrt und Eisenbahn schoben sie aufs Abstellgleis, die Regulierung des Wasserlaufs durch den Bad Tölzer Stausee oder den Sylvensteinspeicher grub ihr das Wasser ab. Eine der letzten Floßfahrten, die Aufsehen erregte, war 1904 der Transport eines riesigen Kupferdeckels zur internationalen Spirituosen-Ausstellung nach Wien.

 

Die Renaissance der Floßfahrten …
und legendäre letzte Meter

Etwa zur gleichen Zeit begannen die Vergnügungsfahrten auf der Isar. Schon seit 1640 hatten z.B. 24 Tölzer Zunftflößer das Recht, zweimal in der Woche nicht nur das geschätzte Bier, sondern auf sogenannten Ordinari-Flößen auch Personen nach München zu bringen. Wer erster Klasse reisen wollte und konnte, durfte unter einem Holzdach oder in einer beheizten Hütte Platz nehmen. Einmal die Woche fuhren sogar Fernreiseflöße nach Freising und via Deggendorf auf der Donau weiter bis nach Passau, Wien und Budapest.

Gegen Ende der 1950er Jahre erfuhr das Handwerk der Flößer eine Renaissance durch die Münchner Studentenverbindungen, die bis heute anhält – die Eventfloßfahrten auf der Isar waren geboren.

Seit wir auf dem Isarwehrkanal durch den Süden von München fahren, besuchen uns badende Kinder auf dem Floß, amüsierte Schaulustige säumen das Ufer und winken herüber. Zugegeben, auch der eine oder andere fassungslose Blick streift uns, denn die Stimmung ist auf einem Höhepunkt angelangt.

Wir vermeiden an dieser Stelle den Vergleich zum Oktoberfest, aber Stadtführer, Trambahnfahrer und Servicekräfte tanzen, dass sich die Balken biegen, und wir singen aus vollem Hals zur Stimmungsmusik. Weitere Details verbuchen wir jedoch als Betriebsgeheimnis … die müssen Sie selbst erleben.

Wenn wir Ihnen Lust gemacht haben, dann kontaktieren Sie uns!
Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

 

PS Aber nicht zu lange warten – die Floßfahrten ab Wolfratshausen auf der Isar zwischen 1. Mai und September sind immer rasend schnell ausgebucht. Schließlich gehören sie bei vielen unserer Kunden schon zur Betriebs-Ausflugs-Tradition.

Mehr Information
Spurwechsel Blog München

Wir stellen vor: Der Spurwechsel München Blog

Warum bloggen wir neuerdings?

Wir und unsere Stadtführer haben seit jeher ein Problem: München ist vielfältig, bunt, gemütlich, absurd, widersprüchlich, verändert sich und ist alles andere als langweilig – hören Sie da bloß nicht auf das, was andernorts gesagt wird.

Es gibt unendlich viel zu erzählen, all das bringen wir aber beim besten Willen nicht in einem Stadtrundgang mit Ihnen unter. Dafür haben wir unseren München Blog ins Leben gerufen.

Über was wird gebloggt?

Ganz klar: München! Welche Frauen, Männer, Merkwürdigkeiten und Traditionen der Stadt Sie (vermutlich) noch nicht kennen. Wir schreiben über die denkwürdigen Plätze, die viele von uns unbemerkt passieren, erzählen Ihnen davon, was sich in Ihrem Stadtviertel ereignet (hat).

Wir verraten Ihnen außerdem, was Sie am Sonntag und bei Sauwetter unternehmen und natürlich: Wie Sie mit Familie, Freunden und Kollegen Ihre Feste feiern können.

Wer bloggt hier?

Hier bloggen Leute mit einer Leidenschaft für München. Alle von uns haben München zu ihrem Beruf gemacht, leben und lieben hier, granteln und ratschen, gehen aus und kaufen ein, stolpern durch die Nacht und sitzen im Biergarten. Alle von uns sind beharrlich auf der Pirsch nach den Besonderheiten der Stadt – liegen sie nun in den Geschichtsbüchern oder ereignen sie sich im Nachbarhof.

Aber genauso wichtig: Als Stadtführungs- und Eventagentur begegnen wir täglich Menschen aus aller Welt, denen wir in Rundgängen und Radltouren unsere Stadt zeigen. Im Gegenzug machen sie uns mit unverbautem Blick und ihren Fragen auf das aufmerksam, was wir bislang übersehen haben –  gerade diese Aspekte haben es oftmals verdient, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Uns sonst? Sie vermissen etwas?

Unser Redaktionsplan ist randvoll mit Ideen und Projekten. Wenn Sie dennoch etwas vermissen oder selbst einer interessanten Sache auf der Spur sind: Hinterlassen Sie einen Kommentar oder schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Spezialwünsche – genauso wie über Ihr Lob, Ihre Kritik und Ihre Fragen!

Ihr Team vom Spurwechsel München Blog

Mehr Information