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Die Weißwurst – Münchner Mythos im Naturdarm

Wer hat‘s erfunden? Die Münchner, möchte man meinen …

Am Faschingssonntag 1857 gingen dem Moser Sepp, dem Wirt des Gasthofs „Zum ewigen Licht“ am Marienplatz, die Schafsseitlinge für seine Kalbsbratwürste aus. Um die Kundschaft nicht hungrig nach Hause schicke zu müssen, füllte er das Brät in die dickeren und zäheren des Schweines und damit die Würste beim Braten nicht platzten, brühte er sie nur in heißem Wasser. Es war der 22. Februar, die Gäste waren von der Missratenen begeistert und die Weißwurst war geboren worden.

Ganz so einfach ist es nun aber doch wieder nicht. Laut Stadtarchivar Richard Bauer könnte die Weißwurst nämlich eine Fortentwicklung der wesentlich älteren Maibock-Wurst sein und es sie schon seit mindestens 1814 geben. Und die Hamburger verweisen darauf, dass eigentlich sie die bayrischste aller Würste erfunden haben. Die Idee hatten sie aus Frankreich, wo es schon im 14. Jahrhundert die Boudin Blanc gab, eine Kalbsfleisch-Wurst, die gebrüht wurde. Vive la Weißwurst!

 

Auf den Spuren der Weißwurst …

Wo und wann die erste Weißwurst das Licht der Welt erblickte, ist eigentlich … wurscht. Klein, rundlich und weiß, im Grunde ja recht unansehnlich, wurde sie zu einem kulinarischen Klassiker, der eng mit Bayern und insbesondere München verbunden ist.

Im Rathaus befindet sich ein Weißwurstzimmer und der Münchner Turmschreiber Herbert Schneider hat ihr eine eigene Hymne geschrieben. Jährlich wird die Weißwurst-Königin gekürt, Bewerbungen trudeln sogar aus China und arabischen Ländern ein. Die „Schutzgemeinschaft Münchner Weißwurst“ setzt sich für Qualität und Image ein. Die Metzgerinnung Arberland hat den 22. Februar zum Tag der Weißwurst bestimmt, zum 100-jährigen gab es sogar einen Kongress, seine versuchte Wiederbelebung zum 160. Jubiläum verursachte jedoch einen höchst unterhaltsamen Zwist zwischen den Niederbayern und Münchnern und wurde abgesagt.

 

Am Weißwurst-Äquator

Die Weißwurst hat sogar Eingang in die Geographie gefunden; im Weißwurst-Äquator, der Bayern von Restdeutschland trennt. Wo er sich genau befindet, ist Auslegungssache. Die Hardliner sagen, bei 100 Kilometern außerhalb von München sei Schluss, meist wird die Donau als Grenze gesehen. Sehr liberale Zeitgenossen markieren den Main.

Nachdem die Beweislage für die Urheberschaft der Weißwurst noch unklar ist, hat Sepp Moser bisher kein Denkmal in München bekommen. Gefordert wird z.B. eines am Münchner Viktualienmarkt. Die Freisinger sind da weiter. Dort steht der Moser seit Jahren vor der Gaststätte zum „Zur Aktienschenke“. Gut, dass Freising innerhalb des eng gezogenen Weißwurst-Äquators liegt … Die Zwiesler (oberhalb der Donau gelegen) haben die Sache geschickt gelöst. Sie verlegten den Äquator auf den 49. Breitengrad und definieren ihr Denkmal als das „Weißwurstäquator-Denkmal“.

 

Was ist drin

Die beste Weißwurst der Stadt gibt‘s beim Wallner im Wirtshaus in der Großmarkthalle, dem Weißwurstpapst im Schlachthofviertel. Vor einigen Jahrzehnten war es noch gang und gäbe, dass die Wirte ihr Weißwürste selbst herstellten, inzwischen gehören Kesselfrische in München leider zu einer aussterbenden Art.

Beim Wallner kommt ausschließlich Kalbfleisch in die Weißwürste. Kalbfleisch ist das Kennzeichen einer „Original Münchner Weißwurst“ – eine solche muss mindestens 51 % Kalbsfleisch enthalten. Der Rest darf mit dem günstigeren Schwein ersetzt werden. Liegt der Anteil darunter, ist es eine schnöde Weißwurst. Dazu kommen frische Petersilie, Zwiebeln, Salz, Zitronenabrieb, Muskat, auch Ingwer und Kardamom; die Gewürzmischungen der Metzger gelten meist als Verschlusssache.

Einmal im Jahr geht die Münchner Metzgerinnung mit den Weißwürsten der Stadt streng ins Gericht. Konsistenz, Farbe, Geruch, Geschmack … sogar chemische und mikrobiologische Untersuchungen werden vorgenommen. Der Sieger wird für seine Leistungen mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Lassen Sie uns von etwas anderem Sprechen als Nährwerten, nur so viel sei gesagt: Sie ist eine recht gute Grundlage für den Frühschoppen. Stattdessen eine etwas unangenehme Randnotiz der Geschichte: Das Rezept für die Original Münchner Weißwurst wurde erstmals vom Züricher Metzgerverband dokumentiert.

 

Das Zuzeln und die Kirchenglocken

Wir haben eine kleine Umfrage gestartet. Die Zuzler werden weniger. Nur noch die Traditionalisten älterer Semester bestehen darauf, das Brät mit den Lippen herauszusaugen. Das Zuzeln hatte sich ohnehin deswegen eingebürgert, weil oft keine Gabeln und Messer zur Hand waren. Mit den diversen Schneidetechniken (Längsschnitt, Kreuzschnitt, halbieren und schälen) blamiert man sich entgegen aller Klischees längst nicht mehr. Befremden erntet man nur, wenn man sie in ein Brezenstangerl klemmt.

Der Volksmund sagt, die Weißwurst darf das 12-Uhr-Läuten nicht hören. Obwohl das Weißwurstfrühstück immer noch der Klassiker ist, ist man auch da mittlerweile flexibler. Die Regel stammte aus einer Zeit, in der das Brät nicht länger frisch gehalten werden konnte. Und vielleicht beruht sie auch darauf, dass die Münchner Wirte die Handwerker aus ihren Gaststuben haben wollten, wenn mittags die zahlungskräftigere Kundschaft kam.

Was aber bis heute gilt: Weißwürste – und NUR DIESE – bestellt man beim Metzger und im Lokal stückweise.

 

Wurst-Case-Szenarien

Immer wieder hört man von Farbexperimenten. Ein Altöttinger hat sich das Patent für seine Grünwurst mit Matcha gesichert. Für eine SPD-Veranstaltung färbte man Weißwürste mal rot ein, als sie jedoch im warmen Wasser siedeten, wurden sie schwarz. Wir vermuten dahinter ja das Werk eines subversiven Metzgers …

Im Netz findet man viele weitere Kulinarisierungen. Schubecks Brezen-Weißwurst-Knödel stellen wir uns ja noch ziemlich fein vor. Im Café Katzentempel in der Türkenstraße gibt es eine vegane Weißwurst, die zwar gut, bloß eben nicht nach Weißwurst schmeckt. Aber Weißwurst-Lasagne mit Gorgonzola und Mangold …? Wohin soll das führen? Leberknödel-Lassi und Obazda-Burger? Hm…

Brezen, süßer Senf und ein Weißbier. Das gehört zu einem echten Münchner Weißwurstfrühstück. In diesem Sinne: An Guad’n! Wenn Sie weitere Geschichten von Münchner Spezialitäten und Gastronomen erfahren möchten, dann kommen Sie mit auf eine unserer kulinarischen Touren durch München, z.B. die ProbierTour über den Viktualienmarkt oder die WirtshausTour.

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

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California Feeling – die City-Surfer an der Eisbachwelle

Wo das Wasser aufwärts fließt

Gleich neben dem Haus der Kunst findet man fast immer ein Geschiebe und Gedränge, hochgereckte Köpfe und Smartphones. Man ist an der Eisbachwelle, einem vom Menschen gemachten Naturschauspiel. Seit Jahrzehnten versammeln sich hier Sommer wie Winter, Tag und Nacht die Jungs und immer mehr Mädels, um im Getöse ihr Können unter Beweis zu stellen – oder auch nicht.

Denn die Eisbachwelle hat es nicht nur in jeden anständigen München-Führer geschafft, sondern auch in den Stormriders Guide, die Bibel der Surfer. Ein Ritt auf der E1 gilt als anspruchsvoll, kaum einer hält sich länger als einige Sekunden auf dem Brett, dann stürzt er in die Fluten und der nächste darf sein Glück versuchen. Um in den Minutenbereich zu gelangen, Kickflips oder gar einen 360er hinzukriegen, muss man lang geübt haben.

 

Wo eine Welle ist, ist auch ein Weg …

München ist von einem System unterirdischer Bäche durchzogen, die von der Isar gespeist werden. 1789 entwarf der kurfürstliche Gartenbaumeister von Sckell für den Englischen Garten ein Bachsystem (Führung: München – Venedig des Nordens), dazu gehören der Oberstjägerbach, der Schwabinger Bach und eben auch der Eisbach. Dort, wo letzterer ans Tageslicht tritt, bildete sich durch eine Steinstufe eine donnernde Welle, ihr ging jedoch der passende Strömungsgrad fürs Surfen ab.

Das änderte sich in den 80ern. Walter Strasser ist ein Münchner Unikat mit verwegenen Lebenslinien und gilt als der Hausmeister der Welle. Er hat damals eine klobige Metallschiene am Flussufer installiert, mit der er die Strömung regulierte und die Welle surfbar machte. In einer Aktion am helllichten Tag, bei der niemand daran dachte, dass sie keineswegs von der Stadt genehmigt worden war.

Hausmeister Strasser mag den inzwischen recht großen Trubel an seiner Welle überhaupt nicht, heute baut er lieber Didgeridoos auf Sardinien. Aber er hat ein bisschen Münchner Stadtgeschichte geschrieben.

 

Vom Brettlreiten zum City-Surfing

München gilt als Geburtsort des Flusssurfens und die Eisbachwelle hat es zu Ruhm gebracht. Die eigentliche Ur-Welle befindet sich aber im Thalkirchner Floßkanal. Dort stiegen Anfang der 70er die allerersten Stadt-Surfer Münchens auf ihre Bretter, man nannte sie die Brettlreiter. Durch ein am Ufer befestigtes Seil hielten sie sich auf einfachen Holzbrettern auf der Strömung, als der erste es freihändig schaffte, war das River-Surfing geboren.

Nicht viel später fand man Surfer in der Stadt auch andernorts, z.B. an der Wittelsbacherbrücke, wenn sich bei Hochwasser die Isar auftürmte. Es war das Guerilla-Surfing einer unangepassten Jugend – oft verfolgt von der Polizei. 2010 wurde dieser Ort im Rahmen der Renaturierung der Isar stillgelegt, der Münchner Fotograf Rainer Spitzenberger hat die Surfer von einst aber in der großartigen Fotoserie Epic Days verewigt.

Einen anderen berauschenden Einblick in das Lebensgefühl der Helden vom Eisbach gewinnt man in der Reportage Keep Surfing. Bjoern Richie Lob erzählt in spektakulären Bildern und rasantem Schnitt von den Pionieren der Eisbachwelle, von den Abenteurern, Außenseitern und Freigeistern. Einige davon haben den Sprung in die Welt geschafft und gehören heute zur internationalen Surferszene.

 

Die grantigsten Surfer der Welt

Es heißt, dass die Eisbachsufer zu den grantigsten der Welt gehören (wir können das nicht bestätigen), schon Hausmeister Strasser hatte ein strenges Regiment geführt. Man munkelt, es kam auch zu Tätlichkeiten, wenn sich einer nicht an die Regeln halten wollte.

Das musste vor einigen Jahren der Münchner Schickeria-Rapper Felix Krull am eigenen Leib erfahren, der die Welle für einen Werbe-Auftritt missbrauchen wollte. Eine Münchner Episode, in der zwei Stadtwelten aufeinander prallen und wie sie schöner nicht sein könnte. Sie kennen den Begriff des Fremdschämens?

Noch bis 2010 surfte man am Eisbach unter Verbotsschildern – die Welle war längst zur Attraktion geworden und das Tourismusbüro warb damit. Es ging um Haftungsprobleme, denn die Eisbachwelle war im Besitz der Bayerischen Schlösser und Seenverwaltung. Durch einen Grundstückstausch mit der Stadt München konnte das Problem gelöst und das Surfen genehmigt werden.

Die Surfer verpflichteten sich allerdings zu einer Art Selbstkontrolle, bei der kein Ungeübter auf der schwierigen Eisbachwelle reiten sollte. Daher wird so manch einer zur Floßlände in Thalkirchen geschickt, um nochmal zu üben. Oder ein paar Hundert Meter weiter zur kleinen Eisbachwelle am Dianabad, E2 genannt. Bis vor kurzem ein Spot, über den man nicht sprach, denn das Surfen ist dort eigentlich nicht erlaubt. Also Obacht: Es kann sein, dass man vom Ordnungsamt aus dem Wasser gefischt wird.

 

Am Eisbach wird‘s eng …

Im Tourismusgeschäft wimmelt es an Superlativen, dementsprechend zurückhaltend sollte man damit umgehen. Sei‘s drum: Die Eisbachwelle ist die am meisten besurfte Welle der Welt. Schätzungsweise gibt es in München inzwischen 2.000 Flusssurfer, vor etwa 10 Jahren waren es weniger als halb so viele.

Daher hat die Stadt bereits die Thalkirchner Ur-Welle für das Surfen freigegeben, sie ist jedoch noch nicht das ganze Jahr befahrbar. Es wird gerade überlegt weitere stehende Wellen im Stadtgebiet für die Surfer zu optimieren – auch eine Art der innerstädtischen Entlastung.

Am wahrscheinlichsten ist die Wittelsbacher Schwelle, sie muss nach 100 Jahren ohnehin saniert werden. Auch die E2 wäre möglich – allerdings beschweren sich die Anwohner jetzt schon und da gibt es wieder das leidige Haftungsproblem des Freistaates.

Erfolgsgeschichten finden immer ihre Nachahmer. So wollen z.B. auch die Wolfratshausener durch eine eigene stehende Welle mitziehen, es wird von einer „einzigartigen Chance mit gigantischem Imagegewinn“ gesprochen … Nun ja, das Original werden‘s sowieso nicht.

Das ist die Eisbachwelle in München. Sie gehört zur Stadt wie das Hofbräuhaus und der Viktualienmarkt und das Zuschauen macht einen Riesenspaß. Wenn Sie in der Gegend sind: Gönnen Sie sich unbedingt einen Abstecher!

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

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Zum Jubiläum ging es abwärts – bei einer Floßfahrt auf der Isar

Über ein jahrhundertealtes Geschäft und eine Riesengaudi

Als wir um halb zehn unsere drei Flößer an der Floßlände in Wolfratshausen treffen, haben sie bereits einige Stunden Arbeit hinter sich. Sie haben das Gefährt seit den frühen Morgenstunden zusammengebaut und für die heutige Fahrt ausgerüstet; Bier, Brotzeit und eine Band erwarten die Gäste.

Nur drei Wolfratshausener Familienunternehmen bauen ihre Flöße noch nach jahrhundertealter Tradition. Mächtige, mit der Hand geschäpste Fichtenstämme werden aneinandergereiht und an Querbalken befestigt, zum Navigieren werden sie vorne mit zwei, hinten mit einem Ruder versehen. Eine moderne Ergänzung ist der kleine Außenborder, der bei Bedarf von hinten etwas anschiebt. Unser Floß misst 18 mal 7 Meter, wiegt um die 20 Tonnen und mit unseren Gästen sind die Bänke gut gefüllt.

Ein jedes Floß legt die fast 30 Kilometer von Wolfratshausen nach München in der Saison vom 1. Mai bis zur Eisfahrt im September etwa 100-mal zurück, bei Wind und Wetter, Absagen gibt es nicht, außer, es herrscht Hochwasser. Heute sind wir dran!

 

Unverbaute Natur und freier Blick auf Naturisten
Die Pupplinger Au

Nach den wichtigsten Sicherheitshinweisen legen wir von der Floßlände in Wolfratshausen ab, mit geschickten Handgriffen, viel Kraft und ordentlichem Rudertalent. Die Band nimmt die Arbeit auf, erzählt die ersten Witze (schon dafür lohnt sich die Fahrt) und auch eine der drängenden Fragen ist nun beantwortet: das kleine Häuschen in weiß-blau ganz hinten ist ein stilles Örtchen.

Um Wolfratshausen liegt eines der letzten Landschaftsschutz-Gebiete Bayerns, die Pupplinger Au.

Dieser Isarabschnitt ist wohl der ursprünglichste im Münchner Einzugsgebiet; der Fluss teilt sich in viele Arme, ein dichtbewachsener Auwald mit Grün in allen Schattierungen flankiert ihn.

Trotz des schönen Wetters entdecken wir auf den Kiesinseln nur zwei der Nackerten, die sich in der Pupplinger Au seit den 1970ern ein gewisses Gewohnheitsrecht erarbeiten konnten und gegen welche die Stadt Wolfratshausen und das Landradsamt nur bedingte Erfolge erzielen konnten – von unseren Flößern werden die beiden übrigens mit Namen gegrüßt.

 

„Im Sommer koa’n Mo – im Winter koa Geld …“
Das Flößerhandwerk im bayrischen Oberland

Das Wissen und Können der Flößer wurde in Wolfratshausen über die Generationen bewahrt, die heutigen Isarfloßfahrten führen eine Tradition unserer Gegend fort, die 2014 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erhoben wurde.

Flüsse waren schon im Mittelalter die wichtigen Transportwege, Isar und Loisach jedoch noch vielerorts reißend und für Schiffe nicht befahrbar. Flöße waren die Alternative – und die Stämme konnte man am Zielort auch gleich als Baumaterial verkaufen. Und die neuen städtischen Eliten erwarteten die Schätze des Südens und Orients, Samt und Seide, Gewürze, Öle und Wein, Bundmetall, Gold- und Silberwaren aus dem Handel mit den italienischen Metropolen, insbesondere Venedig.

Um Zahlen zu nennen: Allein für den Bau der Münchner Frauenkirche ab 1473 schafften 147 schwer belade Flöße 7.000 Baumstämme aus den Bergen heran; um die 3.500 Flöße jährlich landeten in Wolfratshauen an – man kann sich nur schwer vorstellen, was damals auf der Isar losgewesen ist.

 

Ledige Weibspersonen am Steuer!
Die Zunftordnung der oberbayrischen Flößer

Am Isarspitz, wo die Loisach in die Isar mündet, biegt unser Floß auf den Isarkanal und die Geschwindigkeit nimmt spürbar ab. Es ist Zeit, die Badesachen anzuziehen und das Floß schwimmend zu begleiten, „Auf- und abspringen während der Floßfahrt“ wurde uns explizit erlaubt. Hier dürfen auch die ersten „Weibspersonen“ einmal probeweise ans Ruder – zu früheren Zeiten im Namen seiner Majestät des Königs von Bayern aufs Strengste verboten.

„Es kommt vor, dass ledige Weibspersonen bei den Floßfahrten zur Lenkung der Flöße verwendet werden. Da aber weibliche Individuen im allgemeinen als des Floßfahrens kundig und hinlänglich rüstig hiezu nicht genommen werden können (…), so sieht sich die unterfertigte Stelle veranlaßt, auf die Unzulässigkeit der Verwendung lediger Weibspersonen zur Lenkung der Flöße hiermit aufmerksam zu machen. München, den 13. Dezember 1841“

Während heutzutage unsere Teilnehmerinnen die Ruder spontan ergreifen, konnte in früheren Zeiten erst dann, wenn einer „abgeleibt“ war, ein anderer an seine Stelle nachrücken.

Als Zunftsmitglieder unterlagen die Flößer auch besonderen Verhaltensregeln: „Flößer, die sich unterwegs in den Herbergen betrinken und schlechtes Verhalten an den Tag legen, werden mit Wasserbaden bestraft.“ setzte die Wolfratshausener Zunftordnung fest; in schlimmen Fällen wurden Fahrverbote verhängt. 35 Pfennige waren für Reden bei der Arbeit fällig und dazu kamen noch „5 Pfennige für einmal Fluchen“. Wobei letzteres doch eine Kunst ist, in der die Bayern bis heute führend sind.

Als Joseph Friedrich Lentner 1848 die Isarflößer für den Kronprinzen Maximilian studierte, musste er dennoch vom „Überhandnehmen sittlicher Gebrechen, Trunksucht und Rauflust“ berichten …

 

Mittagessen in der Flößereiwirtschaft
… und dann wurd’s ernst

Mittags kehren wir auf halber Strecke bei Straßlach in einer der letzten altbayerischen Wirtschaften im Mühltal ein. Sie liegt an einem herrlich gottverlassenen Eck an der Isar – beliebt bei Wanderern und Radlern und bekannt für logistische Wunder unter Kastanienbäumen, wenn mittags die Floßfahrer eintreffen.

Zackig werden von den Bedienungen die Getränke gebracht, hinterher kommt einer der ehrlichsten Schweinebraten unserer Karriere, für die Vegetarier gibt’s Rahmschwammerl mit Knödel. Unser Veganer musste da halt auch durch.

Vom Biergarten können wir bereits einen Blick auf die wohl heikelste Stelle für unser tonnenschweres Gefährt werfen: die längste Floßrutsche Europas am Wasserkraftwerk Mühltal. Seit den 1920ern rauscht man in einer wilden Schussfahrt mit bis zu 40 Sachen durch die enge Floßgasse hinunter, über eine Länge von 345 Metern überwindet man fast 18 Meter. 35 Sekunden Achterbahn-Feeling.

Zwar hat die ansonsten recht flotte Unterhaltungsmusik unserer Eventfahrt zu „Time to say Goodbye“ gewechselt, alle Beteiligten haben diese und die folgenden, etwas kleineren Floßrutschen unversehrt überstanden – durchgerüttelt, johlend, scheppernd, am Schluss mit einer großen Welle übers Floß und einer Riesenstimmung!

Für einen anderen Betriebsausflug ging sie aber weniger glimpflich aus. Die Münchner Illustrierte Nr. 30 vom 27. Juli 1957 berichtete über „einige Verletzte und zahlreiche Entnervte“.

 

Die Furchtlosen, Geschickten und Gutverdienenden
Gefahren an und auf der Isar

Auf den heute meist ruhigen Gewässern zwischen Wolfratshausen und München mag man bei Bier und Brotzeit vergessen, dass die Isar ein tückischer Gegner sein konnte. Die Steuermänner mussten blitzschnell auf Stromschnellen und Wirbel reagieren, jäh Felsbrocken und Baumleichen ausweichen.

Schon im Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern von 1831 ist Folgendes zu lesen: „… bei dem Michaelsstein, Georgstein und Grünwald sind für die Floßfahrt gefährliche Stellen; oft stürzt hier der Fluß mit Gewalt auf die Felsen an, so dass die Flöße scheitern.“ Viele Votivtafeln und Marterl entlang der Isar zeugen davon.

Eine dieser fahrtechnischen Herausforderungen passieren wir, den Georgenstein bei Baierbrunn, landschaftlich einer der schönsten Abschnitte, in dem die Isar noch weitgehend frei fließen darf. Oft hat man überlegt ihn zu sprengen, man erhielt ihn aber als Naturdenkmal. Heute sieht man noch den rund 25 Meter langen und mehr als acht Meter breiten Leitdamm aus Felsbrocken, mit dem man die Isar für die Flöße links der „Mini-Loreley“ vorbeigelenkt hat. Kräftige Arme und Rudertalent sind aber bis heute angebracht.

Immerhin: Als Gefahrenausgleich konnten die Flößer gut verdienen und waren keineswegs arme Leute. Zumindest, wenn sie nach der Landung in München schleunigst den Lohn einsteckten und ohne den Umweg zu einer der Spelunken in der Au ins Oberland zurückwanderten.

 

Als der Floßfahrt auf der Isar das Wasser abgegraben wurde …
Über das Ende der Flößerei

Wasserstand und Strömung bestimmten schon immer das Reisetempo auf dem Floß. Wir haben Glück, der gemächliche Lauf des Niedrigwassers hat unsere Fahrtzeit verlängert – auch der Außenborder konnte da nur wenig ausrichten.

Nach 16.00 Uhr biegen wir am Isarflößer – einer Bronzeskulptur des Bildhauers Fritz Koelle – in den Ländkanal ab und sind fast am Ziel angelangt, der Zentrallände in Thalkirchen nahe des Tierparks. Es gibt sie erst seit 1899, vorher legten die Flöße an der Unteren Lände nahe der Ludwigsbrücke im Lehel an, wenn diese überfüllt war und nach ihrer Schließung 1870, an der Oberen Lände – gegenüber des heutigen Deutschen Museums muss ein reges Treiben geherrscht haben.

Die Verlegung zeugt vom Niedergang der Floßfahrten auf der Isar. Landeten bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts jährlich bis zu 8.000 Flöße in München an (die späte Blütezeit des Gewerbes durch den Ausbau der Residenzstadt unter König Ludwig I.), verkümmerte die alte Kunst durch die Errungenschaften der Moderne. Die Dampfschifffahrt und Eisenbahn schoben sie aufs Abstellgleis, die Regulierung des Wasserlaufs durch den Bad Tölzer Stausee oder den Sylvensteinspeicher grub ihr das Wasser ab. Eine der letzten Floßfahrten, die Aufsehen erregte, war 1904 der Transport eines riesigen Kupferdeckels zur internationalen Spirituosen-Ausstellung nach Wien.

 

Die Renaissance der Floßfahrten …
und unsere legendären letzten Meter

Etwa zur gleichen Zeit begannen die Vergnügungsfahrten auf der Isar. Schon seit 1640 hatten z.B. 24 Tölzer Zunftflößer das Recht, zweimal in der Woche nicht nur das geschätzte Bier, sondern auf sogenannten Ordinari-Flößen auch Personen nach München zu bringen. Wer erster Klasse reisen wollte und konnte, durfte unter einem Holzdach oder in einer beheizten Hütte Platz nehmen. Einmal die Woche fuhren sogar Fernreiseflöße nach Freising und via Deggendorf auf der Donau weiter bis nach Passau, Wien und Budapest.

Gegen Ende der 1950er Jahre erfuhr das Handwerk der Flößer eine Renaissance durch die Münchner Studentenverbindungen, die bis heute anhält – die Eventfloßfahrten auf der Isar waren geboren.

Seit wir auf dem Isarwehrkanal durch den Süden von München fahren, besuchen uns badende Kinder auf dem Floß, amüsierte Schaulustige säumen das Ufer und winken herüber. Zugegeben, auch der eine oder andere ungläubige Blick streift uns, denn die Stimmung ist auf einem Höhepunkt angelangt. Wir vermeiden an dieser Stelle den Vergleich zum Oktoberfest, aber Stadtführer, Trambahnfahrer und Servicekräfte tanzen, dass sich die Balken biegen, und wir singen aus vollem Halse zur Stimmungsmusik. Weitere Details verbuchen wir jedoch als Betriebsgeheimnis … die müssen Sie selbst erleben.

Wenn wir Ihnen Lust gemacht haben, dann kontaktieren Sie uns!

Aber nicht zu lange warten – die Floßfahrten ab Wolfratshausen auf der Isar zwischen 1. Mai und September sind immer rasend schnell ausgebucht. Schließlich gehören sie bei vielen unserer Kunden schon zur Betriebs-Ausflugs-Tradition.

Ihr Team vom Spurwechsel-Blog

 

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Spurwechsel Blog München

Wir stellen vor: Der Spurwechsel-Blog

Warum bloggen wir neuerdings?

Wir und unsere Stadtführer haben seit jeher ein Problem: München ist vielfältig, bunt, gemütlich, absurd, widersprüchlich, verändert sich und ist alles andere als langweilig – hören Sie da bloß nicht auf das, was andernorts gesagt wird.

Es gibt unendlich viel zu erzählen, all das bringen wir aber beim besten Willen nicht in einem Stadtrundgang unter. Dafür haben wir unseren München-Blog ins Leben gerufen.

Über was wird gebloggt?

Ganz klar: München! Welche Frauen, Männer, Merkwürdigkeiten und Traditionen der Stadt Sie vermutlich noch nicht kennen. Wir schreiben über die denkwürdigen Plätze, die viele von uns unbemerkt passieren, erzählen Ihnen davon, was sich in Ihrem Stadtviertel ereignet (hat).

Wir verraten Ihnen außerdem, was Sie am Sonntag und bei Sauwetter unternehmen und natürlich: Wie Sie mit Familie, Freunden und Kollegen Ihre Feste feiern können.

Wer bloggt hier?

Hier bloggen Leute mit einer Leidenschaft für München. Alle von uns haben München zu ihrem Beruf gemacht, leben und lieben hier, granteln und ratschen, gehen aus und kaufen ein, stolpern durch die Nacht und sitzen im Biergarten. Alle von uns sind beharrlich auf der Pirsch nach den Besonderheiten der Stadt – liegen sie nun in den Geschichtsbüchern oder ereignen sie sich im Nachbarhof.

Aber genauso wichtig: Als Stadtführungs- und Eventagentur begegnen wir täglich Menschen aus aller Welt, denen wir unsere Stadt zeigen. Im Gegenzug machen sie uns mit unverbauten Blick und ihren Fragen auf das aufmerksam, was wir bislang übersehen haben –  gerade diese Aspekte haben es oftmals verdient, einen genaueren Blick darauf zu werfen.

Uns sonst? Sie vermissen etwas?

Unser Redaktionsplan ist randvoll mit Ideen und Projekten. Wenn Sie dennoch etwas vermissen oder selbst einer interessanten Sache auf der Spur sind: Schreiben Sie uns! Wir freuen uns auf Ihre Anregungen und Spezialwünsche – genauso wie über Ihr Lob, Ihre Kritik und Ihre Fragen!

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